Day of the Tentacle Remastered: Neuauflage im Test mit Video
Für viele war es das beste Adventure aller Zeiten! Doch kann Day of the Tentacle heute noch so begeistern wie vor 23 Jahren? Und hat Double Fine diesmal mehr Mühe in die Neuauflage gesteckt als zuletzt bei Grim Fandango? Der Test zum HD-Remaster gibt Antworten.
Gäbe es einen Ehren-Oscar für Computerspiele, Day of the Tentacle hätte ihn sich locker verdient. 23 Jahre hat das Adventure von Tim Schafer (Psychonauts) und Dave Grossman (Telltales Sam & Max) schon auf dem Buckel, doch von Altersschwäche keine Spur: Die abgedrehte Zeitreise-Knobelei zählt nicht nur zum Besten, was Lucas Arts je hervorgebracht hat, sie kann sich auch heute noch mit vielen modernen Adventures messen. Den Beweis dafür liefert nun Double Fine, die sich von Lucas Arts die Erlaubnis holten, ein HD-Neuauflage des Kultspiels zu produzieren. Die macht zwar wenig neu, begeistert uns im Test aber gerade deshalb so wie in 1993.
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DOTT Remastered im Test: Gehe zu Zeitreise-Klo
Quelle: PC Games
Nach 23 Jahren kehrt das kultige Day of the Tentacle zurück - aber genügt HD-Grafik allein, um heute noch zu begeistern?
Die auffälligste Neuerung in der Remaster-Version: Der pixelige Look des Originals ist einer knackscharfen, hochauflösenden HD-Optik gewichen. Das hätte natürlich schiefgehen können, doch zum Glück hat Double Fine den herrlichen, kontrastreichen Comic-Stil des Urspiels streng beibehalten - im Grunde wurden die Originalgrafiken einfach nur scharf nachgezeichnet.
Anders als bei den Remakes von Monkey Island 1 und 2 wurde allerdings auf neue Effekte, Schatten und Animationen verzichtet, im direkten Vergleich wirkt die Grafik von Day of the Tentacle Remastered (jetzt kaufen 108,96 € ) daher längst nicht so frisch wie die letzten Guybrush-Abenteuer oder gar Daedalics moderne Deponia -Serie. Dafür bleibt der Charme des Urspiels aber komplett erhalten, wer DOTT einmal in HD gespielt hat, wird kaum noch zum Original wechseln wollen. Beinharte Nostalgiker dürfen aber trotzdem jederzeit zur alten Optik umschalten und genießen dann wieder die Klötzchenpracht in 320 x 240 Pixeln.
Alte und neue Grafik im Vergleich
DOTT Remastered im Test: Rede mit Tentakel
Day of the Tentacle war das erste Lucas-Arts-Adventure mit Sprachausgabe - was 1993 eine kleine Revolution für die Kult-Firma war, klingt heute eher verrauscht und technisch unsauber. Umso besser, dass Double Fine die originalen Tonaufnahmen sicherstellen und neu abmischen konnte, dadurch wirken sie wieder frisch und zeitgemäß! Die Remaster-Version bietet neben der englischen Sprachausgabe auch die deutsche Vertonung - die klingt zwar manchmal etwas unbeholfen, rundet den Retro-Charme des Spiels aber perfekt ab. Zudem gibt's verschiedene Untertitel, die man beliebig mit der Sprachausgabe kombinieren kann - vorbildlich! Einzig die neu eingespielte Musik wirkt leider etwas lieblos, wer sich auf aufwendige orchestrale Klänge mit echten Instrumenten gefreut hat, wird enttäuscht. Dass es auch besser geht, zeigt ein Mitschnitt des Eröffnungskonzertes der Games Convention 2007 - mehr dazu im Kasten oben!
DOTT Remastered im Test: Nimm Plastikkotze
Bei der Steuerung genießen wir freie Wahl: Für die HD-Version hat Double Fine ein neues Ringmenü eingebaut, das sich sowohl im alten wie auch im neuen Grafikmodus verwenden lässt. Dadurch verschwinden die alten Aktionen am unteren Bildrand, wodurch der Spielgrafik mehr Platz eingeräumt wird. Das neue Menü lässt sich sowohl mit der Maus als auch mit dem Gamepad prima bedienen - DOTT spielt sich also auch auf der PS4 einwandfrei!
Löblich: Anders als in Grim Fandango haben die Entwickler diesmal sogar an eine Hotspot-Anzeige gedacht. Die braucht man dank des klaren Grafikstils zwar eigentlich nicht, doch wer das Feature aus zeitgemäßen Adventures gewohnt ist, dürfte sich trotzdem darüber freuen. Und wem der ganze Kram zu modern ist, der kann auch das alte Interface nutzen (auch im HD-Grafikmodus) und seine Helden mit klassischen Kommandos ans Ziel führen: Ob "Gehe zu" oder "Benutze mit", das spielt sich auch heute noch ordentlich und versprüht wohligen Retro-Charme.
Quelle: PC Games
Auf Wunsch spielen wir mit einem neuen, schlanken Verben-Ringmenü. Das eignet sich prima für Gamepads, steuert sich aber auch mit der Maus sehr gut.
An Bonusmaterial liefert Double Fine einen Audiokommentar mit den Original-Entwicklern, der uns nach einigen Stichproben besser gefallen hat als der von Grim Fandango Remastered. Außerdem schalten wir im Spielverlauf eine umfangreiche Galerie frei, in der wir Zeichnungen aus den frühen 90ern durchstöbern können. Das ist nicht weltbewegend, aber nett!
DOTT Remastered im Test: Benutze Hamster mit Mikrowelle
Quelle: PC Games
Die schrullige Laverne verschlägt es 200 Jahre in die Zukunft, in der die Tentakel die Menschheit unterjocht haben. Unser Ziel: Aus dem Gefängnis entkommen und dann ab zurück in unsere Zeit!
Inhaltlich bleibt das Spiel komplett unangetastet, die Rätsel und die Story sind genauso abgefahren wie eh und je: Day of the Tentacle ist die Fortsetzung zu Ron Gilberts Maniac Mansion (das als Easter Egg komplett im Spiel enthalten ist) und lässt uns mit den liebenswerten Studenten Bernard, Hoagie und Laverne die Villa der verrückten Familie Edison erkunden. Dort sollen wir diesmal das mutierte Purpur-Tentakel davon abhalten, die Welt zu erobern, weshalb wir unsere Helden mithilfe von Dixi-Klos (kein Witz) durch die Zeit schicken, um den bösen Saugnapf aufzuhalten. Dabei geht natürlich alles schief; der gutmütige Rocker Hoagie kommt 200 Jahre früher an als geplant und erhält so die Gelegenheit, die Gründerväter der USA kräftig aufzumischen. Die anatomiebegeisterte Laverne landet dafür 200 Jahre in der Zukunft, in der die Menschheit bereits von den Tentakeln unterjocht wurde - und wird prompt in den Knast gesteckt.
Das Coole daran: Wir springen beliebig zwischen den drei Helden hin und her, sammeln unterwegs Items und lösen damit abgefahrene Puzzles - ein Glück, dass wir Gegenstände in die Klos spülen und so zwischen den Figuren tauschen können! Rund um Plastikkotze, Mikrowellenhamster und Spaghetti-Mumien haben die Entwickler Dutzende schräge Rätsel gestrickt, von denen einige mehrere Zeitebenen umspannen. Das sorgt hier und da für knifflige Momente, an denen sich manche Spieler vielleicht die Zähne ausbeißen. Aber: Im Vergleich zu modernen Adventures wie Deponia ist DOTT auch nicht kniffliger - man muss eben ein Weilchen rumprobieren, bis man auf die Lösung kommt. Doch selbst dann ist Day of the Tentacle in 5 bis 6 Stunden durchgespielt, das Edison-Anwesen bietet trotz Zeitreisen-Dreierlei nur wenige erkundbare Locations. Dafür muss man aber auch nur 15 Euro berappen - ein fairer Preis für einen Meilenstein, der spätestens jetzt in jede Adventure-Sammlung gehört!
Die PC-Version von Day of the Tentacle Remastered ist über Steam, Humble Bundle und GOG erhältlich. Parallel erscheint am 22. März auch eine Konsolenfassung für PS4 und PS Vita.

Er ist ein erwachsener Hase und freiberuflicher Polizist. Der braucht keine "Kinderstimme".
Für mich eine typische Fehlbesetzung, wie es deutsche Synchronstudios nun mal gerne machen (oder gemacht haben), wenn sie ein Medium
nicht mit dem selben Ernst und Respekt behandeln, wie Fernsehserien, oder fälschlicherweise glauben, ein Äquivalent einer Kinderhörspielkassette zu vertonen. :-D