The Park im Test mit Video: 10 Euro für eine Stunde "Spaß" - Funcom versucht sich an einem Horror-Adventure und scheitert

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Test Peter Bathge Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Hauptfigur Lorraine (rechts) bleibt das gesamte Spiel über furchtbar blass und eignet sich nicht als Protagonistin.
Quelle: PC Games

Der Park ist eröffnet! Wäre er doch mal geschlossen geblieben! In unserem Test zu The Park mit Let's Play-Video entlarven wir schonungslos die Schwächen des Funcom-Adventures mit The Secret World-Hintergrund. Lest jetzt, warum ihr euch die zehn Euro für diese lasche Gruselgeschichte sparen solltet!

Als wir The Park getestet haben, hat das nicht lange gedauert: ein gutes Stündchen, dann war Funcoms erster Ausflug in die Singleplayer-Welt seit Dreamfall: The Longest Journey auch schon wieder vorbei. Wer sich etwas mehr Zeit lässt, ist nach maximal zwei Stunden durch. The Park definiert den Spiele-Kritikpunkt "zu kurz" neu.

Update vom 29. Oktober 2015: Wir haben den Artikel um unser Testvideo zu The Park ergänzt!

The Park im Test: Ein Schuss The Secret World

The Park setzt die Unreal Engine 4 ein, das sieht man dem Spiel aber nur sehr selten an. Quelle: PC Games The Park setzt die Unreal Engine 4 ein, das sieht man dem Spiel aber nur sehr selten an. Entwickler Funcom ist bekannt für eine Reihe mittlelprächtiger Online-Rollenspiele. Das jüngste hieß The Secret World und in dessen Welt spielt auch The Park: ein Einzelspieler-Adventure mit Gruselelementen, das euch in einen scheinbar verlassenen Vergnügungspark schickt. Innovativ ist dabei nur die Hauptrolle: Ihr spielt eine besorgte Mutter namens Lorraine, die nach ihrem Sohn Callum sucht. Der Rest ist eine Mischung aus Slender, Dear Esther und Gone Home, aber ohne die Qualität der Vorbilder zu erreichen. Das liegt nicht nur an der Kürze des Spiels, die keinen Raum für interesante Story-Entwicklungen und das Entfalten einer bedrohlichen Atmosphäre lässt. Das hauptsächliche Problem ist, dass sich The Park nicht wie ein vollwertiges Spiel anfühlt.

Stellenweise spielt The Park auf ganz überzeigende Weise mit der Musik, um solche Szenen halbwegs gruselig zu gestalten. Quelle: PC Games Stellenweise spielt The Park auf ganz überzeigende Weise mit der Musik, um solche Szenen halbwegs gruselig zu gestalten. Es erinnert mehr an eine Designstudie oder einen Prototypen. The Park ist eine Fingerübung für Funcom, die ruft: "Hey, schaut her, wir können auch was anderes als MMORPGs!" Zu dumm, dass sie es nicht sonderlich gut können. Als Gruselspiel deklariert, flößt The Park selbst schreckhaften PC-Spielern nur höchst selten Furcht ein. Sämtliche Schockeffekte sind vorhersehbar und folgen typischen Mustern: Heldin dreht sich um - zack, Monster! Heldin guckt durch ein Fenster in einen dunklen Raum - zack, Lichtblitz, Monster! Dass diese monströsen Erscheinungen sowie der Freizeitpark an sich The Secret World-Spielern bekannt vorkommen dürften, trägt kaum zum Spielvergnügen bei. Immerhin gibt's eine Anlehnung an den im Online-Rollenspiel präsenten Cthulhu-Mythos.

The Park imTestvideo

Wie ein leidlich interessanter Film

Im Spielverlauf fahrt ihr Riesenrad, Achterbahn & Co. Adrenalin schießt euch dabei nie ins Blut. Quelle: PC Games Im Spielverlauf fahrt ihr Riesenrad, Achterbahn & Co. Adrenalin schießt euch dabei nie ins Blut. The Park verdammt euch zum Zuschauen. Ihr könnt lediglich mit einer Handvoll Objekte interagieren, meist latscht ihr einfach nur durch die Gegend und ruft nach dem vermissten Sohn der Protagonistin. Das dient als cleveres Hilfesystem, um den richtigen Weg zur nächsten Location zu finden. Allerdings gibt es - die Kürze des Spiels lässt es vermuten - nur ein halbes Dutzend solcher Örtlichkeiten und keine davon prägt sich einem nachhaltig ins Gedächtnis ein. Obwohl, die elendig langsame Fahrt mit einem Bootchen durch eine finstere Höhle werden wir so schnell nicht vergessen - weil sie so strunzlangweilig ist und unsere Geduldsfaden mit einer Nacherzählung des Märchens Hänsel und Gretel strapaziert. Im Spielverlauf setzt ihr euch gleich in mehrere solcher "Attraktionen", unter anderem fahrt ihr Riesenrad und Achterbahn. Klingt vergnüglich, ist aber genauso lahm und öde wie der Rest von The Park.

Die Schockmomente sind vorhersehbar. Einzig eine Geisterbahn gegen Ende des Spiels machte uns ab und zu Angst. Quelle: PC Games Die Schockmomente sind vorhersehbar. Einzig eine Geisterbahn gegen Ende des Spiels machte uns ab und zu Angst. Die ereignislosen Laufwege zwischen einzelnen Locations sind auch nicht viel besser; Funcom schafft es dadurch, selbst die bis zu zwei Stunden kurze Spielzeit noch gestreckt wirken zu lassen. In aufgesetzt wirkenden Monologen sinniert die Protagonistin über ihre Vergangenheit und lässt so langsam ein Bild von der komplizierten Beziehung zwischen Mutter und Sohn entstehen, die bei The Park im Vordergrund steht. So ungewöhnlich die Ausgangsidee der Handlung jedooch auch ist - die Texte sind einfach zu plump geschrieben, um für viel Faszination beim Spieler zu sorgen. Schon nach einigen Minuten kann man den Story-Ausgang erahnen. Jedenfalls sofern man des Englischen mächtig ist, denn Sprachausgabe und Untertitel von The Park hat Funcom nicht ins Deutsche übersetzt.

Die Notizen erzählen kleine Geschichten aus dem Vergnügungspark. Eine deutsche Übersetzung der Texte ist nicht enthalten. Quelle: PC Games Die Notizen erzählen kleine Geschichten aus dem Vergnügungspark. Eine deutsche Übersetzung der Texte ist nicht enthalten. Das gilt auch für allerlei Notizen und Schriftstücke, die ihr auf eurem Weg findet und die kleine Geschichten über den verlassenen Freizeitpark erzählen. Doch weder diese Randereignisse noch die eigentliche Handlung machen The Park zu etwas Besonderem. Funcom verpasst es vor allem, eine Hauptfigur zu entwerfen, mit der wir mitfiebern. Mutter Lorraine verfügt über keinerlei Charakterzüge, wir werden einfach mir nichts, dir nichts in ihre Rolle geworfen und fragen uns die ganze Zeit, warum wir überhaupt nach Sohnemann Callum suchen sollten, so egal ist uns der Bengel.

Dabei steckt ein guter Kern in The Park, es befasst sich mit einigen erwachsenen Themen, die man sonst nur selten in Videospielen zu Gesicht bekommt. Und ganz am Ende wird das ansonsten so langweilige Level-Design dann auch mal angenehm verstörend. Angesichts der gähnenden Langeweile, die der Rest des Spiels versprüht, ist das aber nur ein schwacher Trost.

Kein Spaß im Park

The Park kostet 13 Euro, zum Release gibt es das Spiel auf Steam für 9,99 €. Das klingt wie ein Schnäppchen, aber angesichts der kurzen Spielzeit solltet sich selbst The Secret World-Fans und Horror-Enthusiasten den Kauf gut überlegen. Eine gute Idee macht noch lange kein unterhaltsames Spiel und bei The Park hapert es zusätzlich eben noch an allen Enden und Ecken.

Meinung

Wertung zu The Park (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Recht stimmungsvolle Park-KulisseGelungenges Leveldesign im letzten SpielviertelInteressante Story-GrundideeBeschäftigt sich mit erwachsenen, ungewöhnlichen ThemenGelegentlich halbwegs gruselig
Sehr kurze Spielzeit (ein bis zwei Stunden)Unscheinbare Figuren ohne jede PersönlichkeitVorhersehbare GruselmomenteUnnötig lange LaufwegePlump erzählte Geschichte mit aufgesetzten MonologenAbruptes EndeWenige LocationsTödlich langweilige Schwanenboot-FahrtKeine Rätsel, wenige InteraktionsmöglichkeitenKomplett linearer Spielverlauf ohne EntscheidungenKeine deutsche Übersetzung

The Park im Let's Play-Video

Bildergalerie

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Yukigami NPC
        Ich glaube, das Kernproblem hier ist, dass the Park kein Spiel ist. Jip. Man kann es nicht gewinnen und es gibt keinen Sonderpreis, wenn man es in einer Rekordzeit unter einer Stunde schafft, wie es der Autor der Kolumne scheinbar getan hat. The Park ist eine interaktive Erfahrung. Eine Art Film, in den man aber mehr involviert ist, sozusagen mehr Immersion da ist. Das einzige, was man nämlich wirklich beeinflussen kann, ist die Geschwindigkeit des Ablaufs. Also, kein Spiel. Vollkommen falsche Bewertungsgrundlage.

        Um the Park völlig erfassen zu können, muss man sich darauf einlassen. Man muss sich hineindenken. Fühlen. Dann, vielleicht nur dann, spürt man den langsamen Fall hinein in das Disaster, das Schliddern in Richtung des unvermeidbaren Endes - deutlich besser, als es ein Film je tun könnte. Dahingehend ist The Park meines Erachtens ein Erfolg, ein Psychotrip, der einen mitnimmt, wenn man sich darauf einlässt.

        Erwartet man ein Adventure mit "Rätselknacken" oder ein "Jump and Run" oder wasweißich, ist man hier falsch.
      • Von Yukigami NPC
        Ich glaube, das Kernproblem hier ist, dass the Park kein Spiel ist. Jip. Man kann es nicht gewinnen und es gibt keinen Sonderpreis, wenn man es in einer Rekordzeit unter einer Stunde schafft, wie es der Autor der Kolumne scheinbar getan hat. The Park ist eine interaktive Erfahrung. Eine Art Film, in den man aber mehr involviert ist, sozusagen mehr Immersion da ist. Das einzige, was man nämlich wirklich beeinflussen kann, ist die Geschwindigkeit des Ablaufs. Also, kein Spiel. Vollkommen falsche Bewertungsgrundlage.

        Um the Park völlig erfassen zu können, muss man sich darauf einlassen. Man muss sich hineindenken. Fühlen. Dann, vielleicht nur dann, spürt man den langsamen Fall hinein in das Disaster, das Schliddern in Richtung des unvermeidbaren Endes - deutlich besser, als es ein Film je tun könnte. Dahingehend ist The Park meines Erachtens ein Erfolg, ein Psychotrip, der einen mitnimmt, wenn man sich darauf einlässt.

        Erwartet man ein Adventure mit "Rätselknacken" oder ein "Jump and Run" oder wasweißich, ist man hier falsch.
      • Von BiJay Spiele-Kenner/in
        Zitat von PeterBathge
        Da versucht man einmal nicht zu spoilern ... ;)
        Ich sehe also doch, dass die Handlung zum Überlegen anregt. Das ist ja auch gut so, da hat man auch noch im Nachhinein etwas zum Grübeln. Vielleicht ist dann auch ein zweites Durchspielen pasabel, um sich einigen Dingen mehr Klarheit zu verschaffen. Im Test liest es sich als wäre die Handlung total mies. Es ist einfach dieser Grundton, der da mitschwinkt. Das gefällt mir bei Tests überhaupt nicht, wenn nach jedem Positivpunkt immer ein aber kommt. Es liest sich dann so, als würde man mit Absicht das Spiel runterziehen wollen.

        Zitat von PeterBathge
        Das würde ich bestreiten, es gibt ganz offensichtlich mehr als die eine Figur. Aber wie im Test erwähnt hat Sohnemann Callum zum Beispiel null Charakterzüge, sodass ich es schwer finde, mich zu seiner Rettung aufzuraffen.

        Und du bist dir wirklich sicher, dass der Sohn in den gezeigten Szenen je real war? ;)


        Zitat von PeterBathge
        Tja, finde ich nicht. Und was jetzt?
        Hat jeder seine Meinung kundgetan. Ist doch okay.
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Ich hab 57 Minuten gebraucht.
      • Von Seegurkensalat Mitglied
        Zitat von Vordack
        Im Test steht "ein, maximal 2 Stunden", je nach Spielweise. Es hilft mehr als die Überschrift zu lesen ;)

        Ausserdem sind viele Filme nur 90 Minuten lang ;)
        Ich habe den Test gelesen, daher habe ich auch die vielen negativen Punkte gesehen. 1-2 heißt, es ist auch sehr gut in einer möglich und dementsprechend bewerte ich das auch so. Wenn ich mir ganz ganz viel Zeit lasse, sind sicher auch 3 Stunden drin.
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Zitat von BiJay
        Man merkt, dass der Tester keinen Spaß an diesem Genre hat und dadurch gleich mit einer negativen Haltung an das Spiel rangeht.
        Ganz im Gegenteil, ich mag Horrorspiele und ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Spiel wenig Interaktion von mir erfordert - aber wie gesagt, muss dann eben der Rest stimmen. Und das tut er bei The Park nicht.

        Zitat
        Der Test liest sich auch als wären ein paar Knackpunkte der Story ihm nicht klar geworden.
        Da versucht man einmal nicht zu spoilern ... ;)

        Lorraine hat während der Schwangerschaft und nach der Geburt Depressionen gehabt und wollte sich umbringen. Unter anderem weil ihre Eltern sich getrennt/ihr Vater sie als Kind ihrer Mutter entrissen hat. Im Park treibt sich zudem ein Serienmörder rum (der Typ im Eichhörnchen-Kostüm), der ihren Sohn kidnappt und ermordet. Sie gibt sich aber offenbar selbst die Schuld, eben weil sie innerlich ihr Kind hasst. Der Boogeyman ist die Verkörperung ihrer dunklen Gedanken. Der Hauptteil des Spiels scheint eine verzerrte Erinnerung an die Ereignisse im Park zu sein, die Lorraine am Ende dem Polizeibeamten erzählt. Oder vielleicht hat sie tatsächlich selbst ihr Kind umgebracht, da bin ich mir nicht ganz sicher. Was vergessen?


        Zitat
        "Unscheinbare Figuren ohne Persönlichkeit" - es gibt nur eine Figur und die ist auch noch zwiegespalten (leicht erkennbar an der unterschiedlichen Tonlage).
        Das würde ich bestreiten, es gibt ganz offensichtlich mehr als die eine Figur. Aber wie im Test erwähnt hat Sohnemann Callum zum Beispiel null Charakterzüge, sodass ich es schwer finde, mich zu seiner Rettung aufzuraffen.

        Zitat
        "Plump erzählte Geschichte mit aufgesetzten Monologen" - die Monologe sind der Hauptschwerpunkt, die die Geschichte erzählen, finde ich eigentlich ein gutes Mittel. Die Geschichte hat vielleicht nicht viel Tiefe, aber das liegt nicht an der Erzählweise.
        Tja, finde ich nicht. Und was jetzt?

        Zitat von Riesenhummel
        warum ist es bei einem kinofilm ok für 2 Stunden "spaß" 10 Euro zu bezahlen bei einem computerspiel aber nicht?
        Vergleiche über Medien-Grenzen hinweg sind schwer. Besseres Beispiel: Warum kann ich mir für The Witcher 3 einen DLC für zehn Euro kaufen, der zehn Stunden auf höchstem Niveau unterhält?

        Zitat von Vordack
        Ist das ein Kommentar oder ein Test? Als Kommentar zu einem Spiel, okay, als Test hat er mir ein zu negativen Einfluss des Testers...
        Ist das wieder der Wunsch nach dem objektiven Test, der da durchscheint? Wenn ein Spiel einen negativen Eindruck auf den Tester macht, wie sonst sollte sich der Test dann lesen? Hier mal ein gutes Beispiel für einen wahrlich objektiven Test:

        100% Objective Review: Final Fantasy XIII
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